Dorint Sansssouci Berlin/Potsdam: Wirtschaftswunder Berlin-Brandenburg

„Wir müssen uns viel mehr trauen“

Für die Zeitschrift „Wirtschaftswunder Berlin-Brandenburg“ gab der Direktor des Dorint Sanssouci in Potsdam im April 2012 ein ausführliches Interview über die Entwicklungen und Trends des Hauses und der Region.

Nachfolgend lesen Sie das Interview mit allen interessanten Fakten:

( Text von Herrn Tom Reiner )

Stefan von Heine ist seit Oktober 2010 General Manager des Dorint Hotel Sanssouci Berlin/Potsdam. Damit ist der 1961 geborene Berliner Herr über Brandenburgs größtes Tagungshotel, das gerade erst seine Vier-Sterne-Superior Klassifizierung wiedererhalten  hat.

Herr von Heine, in Berlin brummt der Tourismus mit Rekordübernachtungszahlen: mehr als 22 Millionen in 2011. Auch Brandenburg hat im vergangenen Jahr erstmals die Grenze von 11 Millionen Übernachtungen durchschlagen. Goldene Zeiten für Hoteliers?

Wir sind zufrieden. In unserem Hotel haben wir 2011 bei den Übernachtungen ein sehr ordentliches Plus. Allerdings bleibt es ein schwieriger Markt. 

Warum? Klingt nach Jammern auf hohem Niveau…

Klar boomt in der Hauptstadt der Hotelmarkt. Aber das heißt auch, dass ständig neue Hotels gebaut werden. Betten über Betten kommen dazu. Und das bedeutet einen anhaltenden Preisdruck, das heißt die Zimmerdurchschnittspreise sinken. Und das geht auch an Potsdam nicht spurlos vorüber. Außerdem profitieren wir hier nicht eins zu eins von den Berlin-Touristen. Noch immer ist Potsdam eher ein Ziel für einen Tagesausflug als eine eigene Übernachtungs-Destination. 

Aber als Tagungshotel sollte Sie das doch ohnehin kalt lassen. Sie leben doch eher von den Firmenkunden – und in Zeiten knapper Kassen, wenn jeder Kongress von den Controllern dreimal geprüft wird, müssten Sie in Potsdam eigentlich gute Karten haben. Der Standort Potsdam ist doch unverdächtiger als die Party-Hauptstadt Berlin…

Schön wäre es. Tatsache ist, dass wir in 2011 sogar weniger Firmenkunden hatten als 2010.  Im vergangenen Jahr hat das Leisure-Geschäft bei uns erstmalig etwa ein Drittel aller Übernachtungen ausgemacht. Das ist zwar ein schöner Ausgleich für das schwierige Konferenz-Geschäft, aber als Tagungshotel müssen sie das auch erstmal verkraften. Das war sehr spannend für unser Hotel, und das ging auch nicht ohne blaue Augen ab. 

Der Freizeit-Gast ist anders?

Auf jeden Fall. Die Leute zahlen ihre Übernachtung in der Regel selbst, und sie sind sehr anspruchsvoll geworden. Die Gäste haben heute jede Menge Hotelerfahrung, auch internationale, wobei natürlich auch das in Urlaubsregionen verbreitete All-inklusive-Konzept seine Spuren hinterlassen hat. Wissen Sie, es ist ja unser größtes Vergnügen, auch den anspruchsvollsten Gast zufrieden zu stellen –  aber dass dieser Service einen Wert hat, das verstehen nicht alle Gäste so ganz. 

Also lassen sich Tagungsgäste leichter abfrühstücken?

(lacht) Nein, so war das natürlich nicht gemeint. Auch wenn man feststellen muss, dass ein Hotel wie unseres von der gesamten Infrastruktur her natürlich dazu in der Lage ist, auch große Tagungen problemlos zu bewältigen. Wir geben uns mit unseren Firmenkunden größte Mühe. Tagsüber beweisen wir ihnen, dass wir ein professioneller Ausrichter für ihre Konferenz sind. Aber in der Freizeit umwerben wir die Teilnehmer wie unsere Urlaubsgäste. Der Tagungsgast wird bei uns dann ganz bewusst zum Leisure-Gast, und wir tun den ganzen Tag über alles, damit er sich wohlfühlt.

Das heißt?

Nehmen Sie das Essen während der Konferenzpausen:  Statt der üblichen Kassler- und Schnitzel-Attacke servieren wir mittags eine leichte Kost mit gesunden, regionalen Zutaten. Ein großer Teil der Speisen ist heute vegetarisch oder sogar antioxidantisch, beugt also Tumor- oder Herz-Kreislauferkrankungen vor. Auch in der Kaffeepause achten wir darauf, dass die Teilnehmer fit und konzentriert in ihr Meeting zurückkehren können. Das macht dann aber nicht nur die Konferenz besser, sondern die Gäste haben auch abends noch Lust aktiv zu sein, und dann nutzen sie unseren Runner Point oder unseren herrlichen Spa, in den wir fortwährend investieren. Wenn solche Gäste dann nach einer Tagung mit ihrer Familie wiederkommen, um bei uns Urlaub zu machen – dann wissen wir, wir haben was richtig gemacht. 

Glauben Sie, dass der neue Flughafen, der im Juni den Betrieb aufnimmt, eine positive Auswirkung auf ihr Hotel haben wird?

Schwierige Frage. Ich bin da eher vorsichtig. Bisher braucht man von uns zum Flughafen Tegel bei gutem Verkehr etwa 40 Minuten. Zum neuen Airport sind es eher 50. Unser Haus in Adlershof wird sicherlich profitieren, aber Potsdam ist in die meisten Absprachen gar nicht eingebunden gewesen, die Anbindung des Flughafens über Schiene oder Straße ist gewiss nicht optimal. 

Das klingt nach einem Vorwurf an die Politik?

Vielleicht nicht unbedingt ein Vorwurf, eher ein Weckruf. Potsdam muss sich intensiver einbringen und wir sollten die Region viel stärker als Ganzes betrachten. Ich bin ja nun selber Neu-Potsdamer und alter Berliner, und von daher kenne ich die Situation hier trotz meiner Jahre in Mecklenburg-Vorpommern ganz gut. 

Und was schlagen Sie vor?

Wir müssen uns viel mehr trauen. Potsdam hat ein Riesen-Potenzial. Das Geschäft wird weiter aus Berlin zu uns herauswachsen, aber wir müssen die Region viel stärker gemeinsam vermarkten. Und Potsdam muss weiter investieren in Qualität. Im Augenblick gibt es eine gute Positionierung im Bereich Kunst, Universität, Film. Aber das Thema Gesundheit fehlt zum Beispiel völlig, und dabei wäre gerade das am Rande der Großstadt Berlin wirklich zielführend. Potsdam hat so viel eigenes, das müssen wir stärker herausarbeiten. 

Also mehr Selbstbewusstsein auf der brandenburgischen Seite?

Unbedingt! Was mich stört, ist diese Angst vor Berlin. Nehmen Sie doch mal den 300. Geburtstag von Friedrich II., da lassen wir uns grad von Berlin richtig den Rang ablaufen. Wir müssen mehr tun und Potsdam touristisch kreativer vermarkten. Gemeinsam mit Berlin als Region, aber auf Augenhöhe mit der Hauptstadt. Dann sehe ich für Potsdam eine Riesen-Zukunft. Wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen, dann erzielen wir mehr Qualität und auf mittlere Sicht auch wieder befriedigendere Raten bei den Übernachtungen. Da lässt sich noch jede Menge verbessern. Wir haben ja grad erst angefangen.

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